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Photovoltaik-Tracker: Mehr Wirtschaftlichkeit und weniger Netzausbaukosten durch intelligente Nachführung
Die Energiewende verlangt nach effizienten Lösungen
Die Energiewende verlangt durch den raschen Ausbau der Solarenergie zunehmend nach effizienten und wirtschaftlichen Lösungen. Eine aktuelle Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) zeigt, dass einachsige Photovoltaik-Tracker deutlich zur Optimierung dieses Ausbaus beitragen können. Diese Systeme erhöhen nicht nur die Stromerträge, sondern verlagern die Einspeisung zeitlich in wertvollere Stunden. Dadurch lassen sich Netzkosten mindern und der Ausbaubedarf reduzieren – ein wichtiger Aspekt für die nachhaltige Energieversorgung von morgen.

Warum Nachführungssysteme bei Photovoltaik jetzt auch in Deutschland attraktiv sind
Photovoltaik-Anlagen mit Nachführungssystemen galten bisher vor allem in sonnenreichen Regionen wie Südspanien als wirtschaftlich sinnvoll. Für Deutschland war die zusätzliche Investition meist nicht gerechtfertigt, da die Mehrerträge die Kosten kaum überstiegen. Die neue EWI-Studie stellt diese Annahme infrage, indem sie nicht nur den Energieertrag, sondern auch systemweite Effekte betrachtet. Die einachsigen Tracker sorgen dafür, dass Solarstrom vor allem in den sogenannten Schulterstunden (Morgen und Abend) erzeugt wird. Diese Zeitfenster sind aus folgenden Gründen besonders wertvoll:
- Wenig Solarstrom aus fest installierten Anlagen: Feste Module liefern in der frühen und späten Tageszeit wenig Ertrag, was die Netzlast stark zu Mittagsstunden konzentriert.
- Höhere Strompreise in den Schulterstunden: Aufgrund der geringeren Erzeugung in diesen Zeiten sind die Preise oft höher, was den Marktwert des Solarstroms steigert.
- Dadurch erhöht sich der marktwerteintensive Stromanteil aus Photovoltaikanlagen mit Trackern signifikant. Die Studie berechnet einen um rund 43 % höheren Marktwert gegenüber fest installierten Systemen.
Netto-Systemwert: Doppelt so hohe Wirtschaftlichkeit durch Tracker
Der Netto-Systemwert ist das Ergebnis aus Marktwert der erzeugten Energie, abzüglich der Anlagenkosten und der verursachten Netzkosten. Eines der zentralen Ergebnisse der Untersuchung zeigt, dass sich durch Trackersysteme nicht nur der Ertrag, sondern auch die Netzbelastung verbessern, was die Gesamtsystemkosten senkt:

Mehr Erträge und weniger Netzausbau durch Zeitverschiebung der Einspeisung
- Marktwert der Energie: Je nach Modell liegen die Marktwerte für ein 150 MW System mit fest installierter Aufständerung bei rund 8,1 Millionen Euro jährlich, mit Trackern bei etwa 11,6 Millionen Euro.
- Netzanschlussbedarf: Daraus folgt, dass Anschlussleistungen um bis zu 67 % marktwertneutral reduziert werden können, da sich die Mittagsleistungsspitze deutlich entspannt.
- Volllaststunden steigen: Durch die Nachführung erhöht sich die Anzahl der Bezugsstunden von Solarstrom von 1.044 auf 1.348 Stunden, ein Plus von rund 29 %.
Insgesamt resultiert daraus eine mehr als Verdopplung des Netto-Systemwerts und damit eine deutlich höhere Effizienz beim Ausbau von PV-Kapazitäten.
Vermeidung von Netzausbaukosten durch intelligentes Lastmanagement
Die Verlagerung der Stromproduktion in wertvollere Tageszeiten wirkt sich auch positiv auf die Netzinfrastruktur aus. Je geringer die Leistungsspitzen der Einspeisung, desto weniger Kapazität muss in teuren Netzausbau investiert werden. Die EWI-Studie kalkuliert, dass durch konsequenten Einsatz von Trackern der Ausbaubedarf für Solarleistung bis 2030 von geplanten 99 GW auf etwa 76 GW reduziert werden kann.
Diese Reduzierung hätte laut Modell tiefgreifende finanzielle Effekte. So könnten Netzausbaukosten von rund 3,2 Milliarden Euro vermieden werden. Das ist ein wesentlicher Beitrag zur Senkung der Gesamtkosten der Energiewende, der auch Energieversorgern, Netzbetreibern und Projektentwicklern zugutekommt.
Herausforderungen, Eckdaten und Fazit
Herausforderungen und Standortabhängigkeit
Den Vorteilen stehen jedoch auch Einschränkungen gegenüber. Tracking-Systeme benötigen mehr Fläche als dicht gepackte, fest installierte Anlagen. Gerade in Regionen mit begrenztem Flächenangebot kann dies die Wirtschaftlichkeit beeinträchtigen. Deshalb sollte bei der Planung stets eine standortspezifische Bewertung erfolgen, welche Technologie sich für ein Projekt am besten eignet.
Zudem basieren die Modellannahmen der Studie auf dem Wetter- und Marktumfeld von 2024 und berücksichtigen weder Rückwirkungen auf Börsenpreise noch Verhaltensanpassungen von Marktakteuren. Dennoch liefert die Analyse eine fundierte Entscheidungsgrundlage, um Vorteile und Kosten bei der Wahl der Anlagentechnik abzuwägen.
Technische und wirtschaftliche Eckdaten der Studie:
- Investitionskosten: 365 Euro/kW für fest installierte Anlagen, 380 Euro/kW für Tracker-Systeme.
- Betrieb und Wartung: Sechs Euro/kW für feste Systeme, sieben Euro/kW für Tracker.
- Pachtkosten: Drei Euro/kW für fest installierte Anlagen, 4,3 Euro/kW für Tracker.
Referenzstandort: Südwesten Brandenburgs, mit Erzeugungsprofilen basierend auf wissenschaftlichem Modell und PV-Syst-Analysen.
Diese Annahmen zeigen, dass die Mehrkosten durch Trackersysteme durch die signifikant höheren Erträge und den gesteigerten Marktwert durchaus gerechtfertigt sein können.
Fazit: Tracker-Systeme als Schlüsseltechnologie für eine wirtschaftliche Energiewende
Die Studie des EWI legt nahe, dass einachsige Photovoltaik-Tracker nicht nur höhere Erträge liefern, sondern gleichzeitig durch zeitlich verschobene Solarstromproduktion die Netzbelastung wirksam entspannen. Dies führt zu einem erheblich gesteigerten Netto-Systemwert, verringert den Netzausbaubedarf und spart Milliarden bei den Netzanschlusskosten.
Für Unternehmen, Energieversorger und Projektentwickler ist diese Erkenntnis ein starkes Argument, bei zukünftigen PV-Anlagenprojekten den Einsatz von Trackern zu prüfen – auch in Deutschland. Insbesondere bei größeren Freiflächenanlagen lohnt sich die Investition in Nachführungssysteme häufig schon jetzt.
Dennoch sollte die individuelle Standortgegebenheit immer mit einbezogen werden, um den optimalen Kompromiss zwischen Flächenbedarf, Investitionskosten und Ertragspotenzial zu finden.
Für eine erfolgreiche und nachhaltige Energiewende bietet die Kombination aus innovativer Technik und systematischer Planung eine echte Chance, Kosten zu senken und den Ausbau sauberer Energie effizient zu gestalten.
Sie wollen mehr Energieeffizienz in Ihrem Unternehmen realisieren? Wir von Lewero beraten Sie gern, wie Sie innovative Technologien wie Photovoltaik-Tracker optimal nutzen, um langfristig Kosten zu sparen und nachhaltig zu wirtschaften.
Quelle: https://www.pv-magazine.de/2026/01/26/ewi-analyse-tracker-systeme-koennten-netzkosten-und-ausbaubedarf-deutlich-senken/, pv magazine Deutschland
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