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Roman Siegenbruk

Geschäftsführer, Lewero GmbH

Inhaltsübersicht

    Deutschland baut seine Stromautobahnen – aber reicht das Tempo?

    Die Energiewende in Deutschland: Das Stromnetz im Fokus

    Die Energiewende in Deutschland hängt maßgeblich von einem zuverlässigen und leistungsfähigen Stromnetz ab. Vor allem der Transport von grünem Strom aus dem windreichen Norden hin zum energieintensiven Süden ist eine der größten Herausforderungen. Doch wie weit ist das Land wirklich, wenn es darum geht, die für die Zukunft nötigen Stromtrassen zu errichten? Der Ausbau der sogenannten Stromautobahnen schreitet voran – doch die Frage bleibt, ob Geschwindigkeit und Umfang ausreichend sind.

    Stromautobahn in Deutschland – Bau einer Hochspannungsleitung

    Stromnetzausbau in Deutschland: Ein hochkomplexer Prozess

    Die Verantwortung für den Bau der neuen Leitungen liegt bei vier Übertragungsnetzbetreibern: 50Hertz Transmission für den Osten, Amprion im Westen, TransnetBW für Baden-Württemberg im Südwesten sowie Tennet TSO, der eine zentrale Verbindung von Schleswig-Holstein bis Bayern plant.

    Doch bevor ein Meter Leitung verlegt werden kann, durchlaufen die Projekte einen langwierigen Genehmigungsprozess, der fünf Schritte umfasst:

    • Szenariorahmen: Entwicklung möglicher Zukunftsszenarien für Angebot und Nachfrage von Strom.
    • Netzentwicklungsplan inklusive Umweltbericht.
    • Bundesbedarfsplan als Grundlage für den Ausbau.
    • Raumordnungsverfahren zur Abstimmung der Projekte mit regionaler Planung.
    • Planfeststellung als behördliche Genehmigung für den Bau.

    Ein zusätzlicher wichtiger Schritt ist die Umweltverträglichkeitsprüfung, durch die sichergestellt wird, dass Umweltbelange gewahrt bleiben. Nur nach erfolgreichem Abschluss all dieser Schritte darf der Bau starten.

    Stromnetzausbau in Deutschland – Genehmigung und Bauprozess

    Der aktuelle Stand und die Herausforderungen

    Mit insgesamt etwa 128 Bauvorhaben und einer Gesamtlänge von rund 16.800 Kilometern Stromleitung bis Ende 2024 klingt der Ausbau beeindruckend. Bereits 34 Projekte wurden vollständig abgeschlossen. Allerdings zeigen Prognosen, dass die Gesamtfertigstellung je nach Projekt erst in 8 bis 20 Jahren erreicht werden wird.

    • Langwierige Genehmigungsverfahren, Fachkräftemangel und Lieferengpässe zählen zu den Hauptursachen für Verzögerungen.
    • So dauerte alleine die Planung und Genehmigung des SuedLink-Projekts rund sieben Jahre – eine Zahl, die exemplarisch für viele komplexe Vorhaben steht.
    • Auch kurzfristige Änderungen in der Planung, notwendige Maßnahmen zum Artenschutz und neue Prüfungen können den Prozess zusätzlich verlangsamen.

    Gerade in Zeiten, in denen Stromkunden bereits erhebliche Kosten für Netzentgelte tragen, darf die Politik keine weiteren Stolpersteine zulassen. Denn die Akzeptanz in der Bevölkerung ist essenziell, um Bauvorhaben ohne großen Widerstand realisieren zu können.

    Warum der Stromnetzausbau so wichtig ist – Technische und politische Faktoren

    Der Hintergrund für diesen massiven Ausbau ist klar: Die erneuerbaren Energien, insbesondere Windkraft, werden hauptsächlich im Norden erzeugt. Um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen – speziell die vollständige Versorgung bis 2045 mit erneuerbarem Strom – muss dieser grüne Strom zuverlässig in den Süden gelangen.

    Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat zusätzlich die sicherheitspolitische Dimension verschärft. Deutschland strebt eine erhöhte Unabhängigkeit von fossilen Energieimporten an – und das Stromnetz spielt dabei eine wesentliche Rolle.

    • Gleichstrom vs. Wechselstrom: Während in Deutschland hauptsächlich Wechselstrom verwendet wird, sind für lange Strecken Hochspannungs-Gleichstromleitungen (HGÜ) wirtschaftlicher, da sie geringere Verluste aufweisen. Allerdings sind die aufwendigen Konverterstationen zur Umwandlung von Gleich- in Wechselstrom kostspielig und komplex.
    • Freileitung oder Erdkabel? Die Kostenfrage ist umstritten. Erdkabel sind unauffällig, besser geschützt und werden oft bevorzugt, verursachen aber höhere Baukosten. Netzbetreiber weisen darauf hin, dass Freileitungen beim Netzausbau erhebliche Einsparungen bedeuten.
    • Speicher und Netzstabilität: Volatile Verfügbarkeit erneuerbarer Energien, insbesondere bei Windflauten und nachts, erfordert große Energiespeicher. Neben konventionellen Wasserspeichern werden innovative Lösungen wie unterirdische Großbatterien erforscht.

    Während die Forderung nach einem schnelleren Ausbau verständlich ist, betonen Experten, dass das Stromnetz ein lebender Organismus ist, der sich ständig weiterentwickelt. Netzbetreiber wie Tennet sprechen daher von einem fortlaufenden Prozess mit einem Zielhorizont für 2037 beziehungsweise 2045. 50Hertz will schon bis 2032 eine vollständig erneuerbare Energieversorgung im Netzgebiet erreichen.

    Damit ambitionierte Ausbauziele erreicht werden, gilt es, auf mehreren Ebenen anzusetzen:

    Bürokratieabbau durch beschleunigte Genehmigungsprozesse, qualifiziertes Personal, technologieoffene Netzentwicklung, transparente Öffentlichkeitsarbeit und ein faires Finanzmodell sind wichtige Stellhebel.

    Deutschland steht vor einer technologisch und organisatorisch anspruchsvollen Aufgabe: Der schnelle und großflächige Ausbau des Stromnetzes ist zwingend notwendig, damit erneuerbare Energien verlässlich transportiert werden und die Klimaziele erreicht werden können.

    Doch die Vielzahl der beteiligten Akteure, die aufwendigen Genehmigungsverfahren und die hohen Investitionskosten bremsen den Prozess. Umso wichtiger ist es, die Stärken der politischen und technischen Systeme zu nutzen, Hindernisse zu beseitigen und gleichzeitig die Akzeptanz der Bevölkerung nicht zu verlieren.

    Nur ein intelligenter und nachhaltiger Netzausbau schafft die Grundlage für eine klimafreundliche Energieversorgung und die energiepolitische Unabhängigkeit Deutschlands, die für Unternehmen und Verbraucher gleichermaßen verlässlich, effizient und bezahlbar sein muss.

    Als erfahrener Partner im Bereich nachhaltiger Gebäudetechnik und Energieeffizienz unterstützen wir von Lewero unsere Kunden dabei, ihre Energieversorgung fit für die Zukunft zu machen – sei es durch innovative Lösungen, intelligente Energiemanagementsysteme oder gezielte Optimierung der Energieeinkäufe.

    Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt, um die Weichen richtig zu stellen und die Chancen der Energiewende aktiv zu nutzen.

    Quelle: https://www.dw.com/de/deutschland-strom-trassen-bundesnetzagentur-v-1/a-73240158?utm_source=chatgpt.com – Deutsche Welle
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