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Roman Siegenbruk

Geschäftsführer, Lewero GmbH

Inhaltsübersicht

    Strom: So könnten Netzbetreiber die Zufuhr drosseln

    Einleitung

    Die Energiewende und die wachsende Anzahl elektrischer Verbraucher wie Wärmepumpen und private E-Ladestationen stellen die Stromnetze vor neue Herausforderungen. Gerade wenn viele Haushalte gleichzeitig Energie beziehen, droht eine Überlastung des Netzes. Um Stromausfälle zu verhindern und die Netzstabilität künftig besser zu gewährleisten, können Netzbetreiber unter bestimmten Voraussetzungen die Stromzufuhr gezielt drosseln. Doch was bedeutet das konkret für Verbraucher, wie funktioniert diese Technik und wann wird sie deutschlandweit zum Alltag gehören? Wir erklären die wichtigsten Fakten rund um die Stromdrosselung und zeigen, warum eine Modernisierung der Technik hier entscheidend ist.

    Überblick zur Stromdrosselung durch Netzbetreiber

    Warum ist eine gezielte Stromdrosselung nötig?

    Derzeit steigt die Zahl von elektrischen Großverbrauchern in privaten Haushalten rasant: Wärmepumpen zur nachhaltigen Heiztechnik sowie Elektroauto-Ladestationen sind besonders gefragt. Da diese Geräte oft gleichzeitig hohe Leistung ziehen, kann es zu einer Überlastung der lokalen Stromnetze kommen. Das Risiko von Versorgungsausfällen wächst.
    Bis vor kurzem konnten Netzbetreiber unter Umständen den Anschluss solcher Verbraucher sogar ganz ablehnen, wenn eine Überlastung drohte. Mit den neuen Regelungen im Paragraf 14a des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) ist das seit 2024 nicht mehr erlaubt. Stattdessen müssen Netzbetreiber dafür sorgen, dass das Netz ausgebaut und leistungsfähig bleibt. Sollte es trotzdem zu Engpässen kommen, dürfen sie die Leistung bestimmter Verbraucher gezielt und zeitlich begrenzt drosseln, um eine stabile Netzfrequenz (50 Hertz) zu gewährleisten. Das soll größere Stromausfälle vermeiden.

    • Alte Wärmepumpen: Ältere Modelle schalten sich bei zu geringer Stromaufnahme meist ganz ab – das heißt, die Heizung pausiert, und das Haus kann kalt werden. Die Stromdrosselung ist hier besonders spürbar.
    • Moderne Wärmepumpen: Neuere Geräte sind oft mit intelligenter Steuerung ausgestattet und können auch bei reduzierter Leistung zuverlässig Wärme liefern.
    • Private E-Ladestationen: Moderne Wallboxen drosseln im Falle einer Netzbelastung die Ladeleistung des Fahrzeugs – das bedeutet eine längere Ladezeit, aber keine komplette Abschaltung.

    Durch den vermehrten Einsatz moderner Technik steigt die Flexibilität und damit auch der Komfort bei einer möglichen Stromdrosselung.

    Technische Umsetzung der Steuerung durch Smart Meter

    Wie funktioniert die technische Umsetzung der Drosselung?

    Damit Netzbetreiber die Stromzufuhr gezielt regeln können, ist eine technische Ausstattung auf Kundenseite erforderlich. Entscheidend sind dabei intelligente Messsysteme, sogenannte Smart Meter, die in Kombination mit einer Steuerbox den Verbrauch in Echtzeit messen und steuern können.
    Diese Systeme kommunizieren über sichere digitale Netze mit dem Netzbetreiber. In Engpasssituationen kann der Netzbetreiber einzelne Verbraucher gezielt drosseln – etwa indem die Ladeleistung von E-Autos reduziert oder die Wärmepumpe mit verringerter Leistung betrieben wird.
    Der entscheidende Vorteil: Die Verbraucher werden nicht komplett abgeschaltet, sondern nur in ihrer Leistungsaufnahme gesteuert. So bleibt die Versorgung insgesamt stabiler, und Ausfälle lassen sich vermeiden.

    • Smart-Meter-Gateways und die dazugehörigen Steuerungseinrichtungen werden derzeit flächendeckend installiert, doch der Rollout verläuft langsam und kostet Zeit sowie Geld.
    • Datenschutz und Sicherheitsanforderungen (z. B. Anforderungen vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) müssen vollumfänglich erfüllt werden, was weitere Verzögerungen mit sich bringt.
    • Die neue Steuerungstechnik soll voraussichtlich im Laufe des Jahres 2026 einsatzbereit sein. Danach muss sie jedoch noch in der Praxis erprobt und sicher in die Netzsysteme integriert werden.

    Eine praktische und flächendeckende Integration der Steuerung durch Netzbetreiber wird realistisch erst nach dem 31. Dezember 2027 möglich sein.
    Bis Ende 2028 sollen mindestens 50 Prozent aller geeigneten Haushalte mit smarten Steuerungen ausgestattet sein, bis Ende 2030 sogar 95 Prozent.
    Bis dahin bleibt der Umgang mit Lastspitzen weitgehend manuell oder erfolgt durch andere Netzmanagement-Maßnahmen.

    Was bedeutet die Stromdrosselung für Verbraucher?

    Für Endverbraucher heißt das konkret:

    • Eine willkürliche und dauerhafte Stromreduzierung im Privathaushalt ist durch das Gesetz nicht vorgesehen. Die Drosselung dient ausschließlich der Stabilisierung im Notfall („ultima ratio“).
    • Moderne Wärmepumpen und Wallboxen bemerken die Drosselung meist kaum, denn sie passen ihre Leistung intelligent an.
    • Besitzer älterer Wärmepumpen sollten über eine Modernisierung nachdenken, da sie bei Drosselungen Ausfälle der Heizfunktion riskieren.
    • Die Ladedauer für E-Autos kann sich vorübergehend verlängern, wenn die Ladeleistung reduziert wird.

    Insgesamt ist die Drosselung ein wichtiger Baustein, um die Versorgungssicherheit zu erhöhen und Engpässe im Stromnetz unter Kontrolle zu halten, ohne dass der Verbraucher dauerhaft Einschränkungen hinnehmen muss.

    Fazit und Ausblick
    Die Möglichkeit der gezielten Stromdrosselung stellt einen bedeutenden Schritt in Richtung Digitalisierung und Flexibilisierung der Energieversorgung dar. Durch intelligente Mess- und Steuertechnik können Netzbetreiber zukünftig besser auf Lastspitzen reagieren und das Netz stabiler betreiben. Für Verbraucher bedeutet das vor allem:

    • Moderner Wärmepumpen- und Wallboxbesitz zahlt sich aus, da diese Geräte flexibel geregelt werden können.
    • Netzausbau und Digitalisierung sind unerlässlich, um steigende Verbraucherzahlen und komplexere Netze zu managen.
    • Es bleibt wichtig, Energieeffizienz und smarte Technologien zu fördern, um das Stromnetz insgesamt zu entlasten.

    Für Unternehmen und Haushalte empfiehlt es sich, rechtzeitig auf moderne und steuerbare Technologien umzusteigen, um bei der nächsten Generation der intelligenten Stromnetze bestens gewappnet zu sein. Lewero steht Ihnen als erfahrener Partner bei der Analyse von Effizienzpotenzialen und der Umstellung auf moderne Gebäudetechnik zur Seite – so profitieren Sie von Innovationen, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden.

    Quelle: t-online.de
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