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Roman Siegenbruk

Geschäftsführer, Lewero GmbH

InhaltsĂĽbersicht

    Jetzt zieht China der Welt auch noch beim Stromnetz davon

    Chinas technologischer Vorsprung bei der StromĂĽbertragung

    China hat ein Puzzleteil der Energiewende gelöst, das viele Länder noch vor enorme Herausforderungen stellt: die großräumige, verlustarme Übertragung von erneuerbarem Strom. Mit Ultra‑Hochspannungs‑Gleichstrom‑Trassen (UHVDC) verlagert China Wind-, Solar- und Wasserkraft aus ressourcenreichen, dünn besiedelten Regionen direkt in die Industriezentren an der Ostküste. Für Unternehmen, Netzbetreiber und Energieeinkäufer in Europa lohnt es sich jetzt, genau hinzusehen — sowohl technisch als auch strategisch.

    Was China anders macht
    China kombiniert technologische Entwicklung, zentrale Planung und hohe finanzielle Priorität. Der staatliche Netzbetreiber State Grid hat UHVDC‑Technik zur Serienreife gebracht und stellt heute viele Komponenten (Konverter, Leistungshalbleiter, Isolatoren, Schaltanlagen) in heimischer Produktion her. UHVDC‑Leitungen mit Spannungen von bis zu 1100 Kilovolt erlauben Übertragungsdistanzen über Tausende Kilometer: Die Changji–Guquan‑Leitung etwa erstreckt sich über rund 3300 Kilometer und kann bis zu 12 Gigawatt transportieren.

    Parallel dazu stehen Planung und Finanzierung weit oben auf der politischen Agenda: Netzausbau ist in Chinas Fünfjahresplänen verankert, Projekte werden in sehr kurzer Bauzeit realisiert (Beispiel: Changji–Guquan in etwa 1,5 Jahren) und 2023 flossen laut Berichterstattung rund 40 Milliarden US‑Dollar in den Netzausbau – mit Zielausgaben von rund 200 Milliarden US‑Dollar bis Ende 2025.

    Schema einer chinesischen UHVDC-Trasse zur Ăśbertragung erneuerbarer Energie

    Physikalische Vorteile von HVDC und globale Auswirkungen

    Warum HVDC technisch so wirksam ist
    Der entscheidende Vorteil der Hochspannungs‑Gleichstromübertragung (HVDC) ist physikalisch: Auf sehr langen Strecken verursacht Gleichstrom deutlich geringere Übertragungsverluste als Wechselstrom. Moderne HVDC‑Leitungen verlieren im Schnitt nur rund 3 % pro 1000 Kilometer — etwa halb so viel wie vergleichbare Wechselstromverbindungen. Dadurch steigt die Wirtschaftlichkeit mit steigender Entfernung: Für ein Land mit sehr großen Entfernungen zwischen Erzeugung und Verbrauch ist das ein klarer Vorteil.

    • Auf sehr langen Distanzen geringere Ăśbertragungsverluste als bei Wechselstrom
    • Rund 3 % Verlust pro 1000 Kilometer bei modernen HVDC‑Leitungen
    • Wirtschaftlicher Vorteil besonders bei weit entfernten Erzeugungs- und Verbrauchszentren

    Praktisch umgesetzt heißt das: Große Wind‑ oder Solarkraftparks im Westen Chinas speisen über UHVDC‑Trassen direkt in Ballungsräume wie Shanghai ein. An den Enden der Trassen wandeln große Konverterstationen Gleichstrom wieder in Wechselstrom, der ins regionale Netz eingespeist wird.

    Globale Auswirkungen und Exportstrategie
    China nutzt den technologischen Vorsprung nicht nur für die eigene Versorgungssicherheit, sondern auch als Exportgut: UHVDC‑Systeme werden weltweit angeboten, etwa nach Südostasien, in den Nahen Osten oder nach Brasilien. Die Logik ist überall ähnlich: Große Ressourcenflächen liegen fern von Ballungszentren — Brasilien, Indien oder Indonesien stehen vor ähnlichen Aufgaben wie China.

    Gleichzeitig zeigen Großprojekte wie SunCable (4200 km) oder Xlinks (3800 km) die zunehmende Bedeutung von HVDC, auch für Seekabelverbindungen über weite Distanzen. Während Material und Kabel teilweise weiterhin aus Europa stammen, wachsen Planung, Konverterkompetenz und Systemintegration international — mit chinesischer Beteiligung.

    Globale HVDC-Projekte und ihre Verbindung von Erzeugungs- und Verbrauchszentren

    Implikationen fĂĽr Europa und Unternehmen

    Was das fĂĽr Europa bedeutet
    Europa hat andere geografische Voraussetzungen: Die Entfernungen sind kürzer, und für viele Fälle ist HVDC wirtschaftlich nicht zwingend. Dennoch sind die Lehren klar:

    • Netzmodernisierung bleibt notwendig: Auch in Europa muss smarter Netzausbau und bessere Koordination vorangetrieben werden, damit fluktuierende Erzeugung effizient integriert werden kann.
    • Genehmigungsprozesse prägen Geschwindigkeit: Der Bericht vergleicht Bauzeiten und stellt fest, dass europaweite Projekte wegen eines komplexen, dezentralen Genehmigungsumfelds deutlich langsamer realisiert werden können.
    • Technologie und Lieferketten verschieben sich: Werks‑Know‑how bei Konvertern und Systemintegration wird global gehandelt — das beeinflusst langfristig Beschaffungs‑ und Partnerschaftsstrategien.

    Konkrete Handlungsempfehlungen fĂĽr Unternehmen und Versorger
    Auch wenn Sie als mittelständisches Unternehmen nicht selbst Hochspannungsleitungen planen: Die Entwicklungen haben direkte Folgen für Beschaffung, Versorgungssicherheit und Investitionsplanung. Orientierungspunkte:

    Handlungsempfehlungen und UnterstĂĽtzung durch Lewero

    • Risikostrategie Energieeinkauf: PrĂĽfen Sie, ob eine Mischung aus Termin‑ und Spotmarkt (Trancheneinkauf) hilft, Preisrisiken zu steuern — gerade bei steigender Interdependenz der Märkte.
    • Flexibilitätsressourcen bewerten: Speicherung, Lastmanagement oder zeitlich verschiebbare Prozesse werden wertvoller, wenn groĂźe Mengen erneuerbarer Energie grenzĂĽberschreitend gehandelt werden.
    • Netzabhängigkeiten verstehen: Engpässe und regionale Einspeiseströme können Ihre Vertrags‑ und Betriebsplanung beeinflussen — Monitoring und Lastprofilanalyse sind hier entscheidend.
    • Kooperationen mit Versorgern und Stadtwerken: Transparente Partnerschaften und verlässliche Lieferanten werden wichtiger, wenn internationale Netze wachsen und technische Integrationsanforderungen steigen.

    Wie Lewero Sie dabei unterstĂĽtzt
    Wir bei Lewero beobachten solche Trends aufmerksam. Unsere Kernkompetenzen — transparente Ausschreibungen, individuelle Beschaffungsstrategien und kontinuierliches Monitoring — helfen Kunden, die Auswirkungen auf Kosten und Versorgungssicherheit aktiv zu steuern. Konkret bieten wir:

    • Analyse Ihrer Verbrauchsprofile und Risikopräferenz
    • MaĂźgeschneiderte Ausschreibungen (Terminmarkt, Spotmarkt, Tranchierung)
    • Energiemonitoring und Controlling zur frĂĽhzeitigen Erkennung von Netzeffekten
    • Energieeffizienz‑ und FlexibilitätsmaĂźnahmen, um Abhängigkeiten vom Strommarkt zu reduzieren

    Fazit: China zeigt, wie zentralisierte Planung, technologische Entwicklung und finanzielle Priorität einen schnellen Netzausbau ermöglichen können. Für Europa und Unternehmen heißt das nicht, die Option HVDC pauschal zu übernehmen, sondern die Konsequenzen in Beschaffung, Flexibilität und Partnerschaften aktiv zu integrieren. Wer heute Steuerungs‑ und Beschaffungsprozesse modernisiert, ist morgen besser gegen Markt‑ und Netzveränderungen gewappnet.

    Quelle: https://www.focus.de/earth/jetzt-zieht-china-der-welt-auch-noch-beim-stromnetz-davon_0908335a-fe60-4de6-9a5d-f874f4e3dcb7.html (FOCUS online)
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