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Roman Siegenbruk

Geschäftsführer, Lewero GmbH

InhaltsĂĽbersicht

    Elektroautos bringen frischen Wind in die CO2-Bilanz der Autoindustrie

    Im ersten Halbjahr 2025: Elektroautos als Hoffnungsträger

    Im ersten Halbjahr 2025 zeigt eine aktuelle Analyse des International Council on Clean Transportation (ICCT), dass die europäische Autoindustrie den EU-Grenzwert für CO2-Emissionen im Durchschnitt zwar um neun Prozent überschreitet, die Lage aber differenzierter betrachtet werden muss. Trotz der Überschreitung drohen derzeit keine Strafzahlungen – und das liegt vor allem an den erfolgreichen Elektrofahrzeugen, die den Markt nach und nach umkrempeln.

    Wie funktionieren die CO2-Flottengrenzwerte in der EU?

    Jedes neu zugelassene Fahrzeug im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) besitzt einen festgelegten CO2-Ausstoß-Wert, der nach dem Worldwide Harmonized Light Vehicle Test Procedure (WLTP) bestimmt wird. Dieser Wert gibt an, wie viele Gramm CO2 ein Fahrzeug pro Kilometer im Testzyklus emittiert. Elektroautos stechen hier deutlich hervor, weil sie im Betrieb keine direkten CO2-Emissionen ausstoßen – ihr CO2-Wert liegt beim Testverfahren bei null Gramm.

    Plug-in-Hybride (PHEV) nehmen eine Sonderrolle ein: Sie durchlaufen den WLTP-Zyklus gleich zweimal, einmal elektrisch mit vollem Akku und einmal mit leerer Batterie, bei Nutzung des Verbrennungsmotors. Der finale CO2-Wert wird dann gewichtet ermittelt. Das fĂĽhrt dazu, dass PHEV in dieser Messweise deutlich besser abschneiden als konventionelle Verbrenner.

    Grenzwerte langfristig verschärft – und doch Spielraum

    Der Grenzwert für die Flottenemissionen wurde mit dem Beginn der neuen Periode von 2025 bis 2029 offiziell auf 93 g CO2/km gesenkt – ein 15-Prozent-Reduktionsziel gegenüber der alten Periode. Ab 2030 soll es sogar eine 55-prozentige Reduktion geben. Interessant ist, dass diese Werte durch diverse Umrechnungen und den sogenannten Gewichtsfaktor ergänzt werden. Dieser erlaubt Herstellern mit schwereren Fahrzeugen etwas höhere Grenzwerte, während Firmen mit leichteren Autos strengere Auflagen erhalten.

    Die neue Ebene der Flexibilisierung erlaubt dabei den Herstellern, die CO2-Bilanz nicht jedes Jahr einzeln, sondern über die Dreijahresperiode von 2025 bis 2027 im Durchschnitt zu erfüllen – ein Mechanismus, der zusätzliche Spielräume bietet und aktuell einige Hersteller entlastet.

    Flottenemissionen in der Autoindustrie

    Pooling und Herstellervergleiche: Wer liegt vorne?

    Ein weiterer Faktor sind sogenannte Pooling-Vereinbarungen, bei denen mehrere Hersteller ihre CO2-Flottenzusammensetzung gemeinsam bilanzieren. So können emissionsstärkere Marken von emissionsärmeren Partnern profitieren. Beispiele hierfür sind Volkswagen mit seinen Marken oder der Zusammenschluss von Tesla und Stellantis, der aktuell viel Aufmerksamkeit erhält.

    • Pooling hilft, Ăśberschreitungen einzelner Hersteller zu dämpfen und so Strafzahlungen an die EU zu vermeiden, die ansonsten drastisch ausfallen könnten: Pro Gramm zu viel CO2 pro Fahrzeug sind bis zu 95 Euro Strafe angesetzt, was bei Millionen verkaufter Autos schnell hohe Summen bedeutet.
    • BMW fĂĽhrt die Tabelle in Sachen CO2-ErfĂĽllung an: Der Konzern hält die Grenzwerte ein, dank hoher Anteile an Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen. Rund 25 Prozent der neu zugelassenen BMWs sind vollelektrisch, weitere 14 Prozent PHEV.
    • Volkswagen hingegen ĂĽberschreitet den Wert um 14 Prozent. Zwar verkauft der Konzern viele Elektrofahrzeuge, der Mix wird aber durch beliebte, jedoch emissionsintensive Verbrenner wie den Tiguan belastet. Um die Grenzwerte einzuhalten, muss VW daher noch deutlich mehr Elektroautos absetzen, insbesondere mit der geplanten Offensive in den Kleinwagen-Segmenten ab 2026.

    Tesla und Stellantis: Herausforderungen beim Pooling
    Ein intensiver Zusammenschluss in Form eines Pools besteht aktuell zwischen Tesla und Stellantis. Der gemeinsame CO2-Durchschnitt liegt dabei um sieben Prozent über dem Zielwert. Tesla kann aufgrund seiner derzeitigen Verkaufszahlen in Europa den größeren CO2-Fußabdruck von Stellantis nicht vollständig kompensieren. Stellantis setzt eher auf eine konservative Modellpolitik und positioniert Elektroautos teilweise mit relativ hohen Aufpreisen, was die Durchsetzung im Massenmarkt erschwert.

    Pooling Elektroauto Branche

    Marktentwicklung und Herausforderungen der Branche

    Toyota hingegen bilanziert bisher separat und profitiert von einer bevorstehenden Modelloffensive im Elektrosegment. Es ist daher plausibel, dass Toyota das Pooling aktuell weniger als vorteilhaft ansieht und zukünftig womöglich individuelle Wege gehen wird.

    • Im Pool von Mercedes, Volvo und Polestar zeigen sich erste Fortschritte, doch die ambitionierten Ziele sind noch nicht erreicht. Elektroautos machen fast die Hälfte der Neuzulassungen aus, dennoch liegt der Flotten-CO2-Wert leicht ĂĽber dem Ziel.
    • Das beschränkt sich nicht zuletzt auf die hohe CO2-Last einiger Modelle mit leistungsstarken Verbrennungsmotoren. Neue, vollelektrische Plattformen, wie die 800-Volt-Architektur der neueren Baureihen, dĂĽrften in den kommenden Monaten helfen, mehr Elektroanteile zu verkaufen und den Druck zu reduzieren.
    • Die Marken Hyundai und Kia aus SĂĽdkorea sind ebenfalls auf gutem Weg, ihre CO2-Grenzwerte teilweise zu unterschreiten oder knapp zu erfĂĽllen. Erfolgreiche Modelle wie der Hyundai Inster und kommende Neuheiten gewährleisten eine positive Entwicklung. Hier zeigt sich, dass nicht nur traditionelle europäische Hersteller die Elektromobilität vorantreiben.

    Die Flexibilisierung birgt Chancen – und Risiken
    Die Entscheidung der EU, das CO2-Ziel nicht starr pro Jahr, sondern im Dreijahreszeitraum zu bewerten, erleichtert Herstellern den Umgang mit dem anspruchsvollen Wandel. Doch Experten warnen davor, dass dies zu einer Verlangsamung beim Ausbau der Elektromobilität führen kann, da der Druck für sofortige Verbesserungen sinkt.

    Jan Dornoff vom ICCT stellt fest: Seit EinfĂĽhrung der Flexibilisierung kann keine Steigerung des Elektroautoanteils mehr beobachtet werden, was eine Stagnation in der Verringerung der CO2-Emissionen zur Folge hat. Ein schwaches erstes Jahr kann so durch ein besseres in den Folgejahren ausgeglichen werden.

    Fazit: Dynamik und Chancen fĂĽr Unternehmen

    Die Halbjahresbilanz 2025 der europäischen Automobilbranche ist ein Spiegelbild der aktuellen Herausforderungen: Hersteller, die stark auf Elektromobilität setzen, wie BMW, schneiden deutlich besser ab als solche mit einer breiten Palette an Verbrennern wie Volkswagen oder Stellantis.

    • Die EU-Grenzwerte fĂĽr CO2-Flottenemissionen wirken prinzipiell – sie setzen einen klaren Rahmen und wurden mit der EinfĂĽhrung von WLTP und gewichteten Faktoren verfeinert.
    • Die erlaubte Flexibilisierung und Pooling erleichtern den Herstellern den Ăśbergang, riskieren aber eine unerwĂĽnschte Verzögerung bei den notwendigen Fortschritten.
    • FĂĽr Entscheider und Unternehmen aus dem Energiesektor heiĂźt das: Die Elektromobilität bleibt ein SchlĂĽsselfaktor sowohl fĂĽr den Klimaschutz als auch fĂĽr die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit.

    Wer frühzeitig auf nachhaltige Mobilitätskonzepte setzt, profitiert nachhaltig von geringeren Emissionen und einer zukunftssicheren Fahrzeugflotte.
    Gleichzeitig ist es wichtig, bei der Energieversorgung und -nutzung rund um den elektrifizierten Verkehr auf nachhaltige, klimafreundliche Lösungen zu setzen – von grünem Strom über intelligente Ladeinfrastrukturen bis hin zu energieeffizienten Gebäudetechnologien. Nur so lässt sich der volle Klimaschutz-Effekt entfalten.
    Ein verlässlicher Partner wie die LEWERO GmbH unterstützt Unternehmen dabei, ihre Energieeffizienz nachhaltig zu steigern und passgenaue Lösungen für die Energieversorgung zu finden. Ob Elektromobilität, nachhaltige Gebäudetechnik oder intelligente Energiemanagementsysteme – gemeinsam gestalten wir eine klimaresiliente Zukunft.
    Quelle: electrive.net – CO2-Halbjahresbilanz: Und plötzlich läuft’s bei den Elektroautos
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