Inhaltsübersicht
Ratgeber Kategorien
Die Debatte ist provozierend einfach: Mehr Gaskraftwerke bringen billigeren Strom — oder etwa doch nicht?
Was das EWI-Gutachten zeigt — die Kernbefunde
Ein aktuelles Gutachten des Energiewirtschaftlichen Instituts (EWI) im Auftrag des Landesverbands Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) macht deutlich, dass solche Schlussfolgerungen zu kurz greifen. Kurzfristig mögen Gaskraftwerke Kosten senken, langfristig drohen jedoch deutlich höhere Systemkosten durch Importabhängigkeit, höhere Brennstoffkosten und ausbleibenden Ausbau von Erneuerbaren und Netzen.
Das Gutachten vergleicht drei Modellpfade für das deutsche Stromsystem: ein Referenzszenario (REF) mit geplantem Netzausbau und gesetzlichem Ausbau der Erneuerbaren, ein alternatives Szenario (VAR) mit reduziertem Ausbau der Erneuerbaren und verstärktem Gaskraftwerkszubau sowie ein optimiertes Szenario (OPT) mit rechnerisch optimiertem Mix aus Erzeugung, Speicher und Netzen.
Wichtigste Erkenntnisse aus der Analyse

Wichtigste Erkenntnisse aus der Analyse:
- Kurzfristige Einsparungen sind trügerisch: VAR reduziert Fixkosten für neue Wind- und Solarkapazitäten, erzeugt aber höhere variable Kosten durch Strom- und Brennstoffimporte.
- Langfristige Mehrkosten: Bis 2045 können Kosten durch Wasserstoff- und Gasimporte sowie Betriebskosten der Gaskraftwerke deutlich ansteigen — das Gutachten spricht davon, dass allein Wasserstofflieferungen Mehrkosten von rund 3 Mrd. Euro pro Jahr gegenüber dem Referenzszenario verursachen würden.
- Gesamtwirtschaftliche Betrachtung entscheidet: Wer nur einzelne Kostenpositionen (z. B. Redispatch) betrachtet, läuft Gefahr, das Gesamtsystem teurer zu machen. Entscheidend sind die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten, nicht isolierte Kennzahlen.
Verzögerter Netzausbau ist zentraler Kostentreiber: Viele aktuelle Redispatch-Kosten resultieren laut Gutachten aus einem politisch verschleppten Netzausbau — das verweist auf strukturelle Versäumnisse, nicht nur auf technische Feinheiten.
Warum Gaskraftwerke allein keine dauerhafte Lösung sind

Die Idee, Gaskraftwerke als Brücke oder als Mittel zur kurzfristigen Senkung der Strompreise einzusetzen, hat zwei grundsätzliche Schwachstellen:
- Brennstoffabhängigkeit: Mehr Gaskraft bedeutet weniger Investition in Erzeugungs- und Netzkapazitäten. Das verschiebt Kosten von Bauinvestitionen hin zu laufenden Importkosten für Erdgas und später auch für Wasserstoff.
- Import- und Marktanfälligkeit: Eine stärkere Ausrichtung auf Importe erhöht die Abhängigkeit von internationalen Märkten und macht Preise langfristig volatiler und potenziell teurer.
- Konkretes Beispiel aus dem Gutachten: Zwar würden im VAR-Szenario bis 2030 rund 7 Mrd. Euro an Fixkosten für erneuerbare Erzeugung eingespart. Bereits ab 2037 aber überstiegen die erhöhten Import- und Betriebskosten diese Einsparung deutlich.
Folgen für Unternehmen, Versorger und kommunale Akteure
Die modellierten Effekte betreffen nicht nur die öffentliche Hand: Unternehmen, Stadtwerke und Immobilienverwaltungen spüren die Auswirkungen in ihren Beschaffungs- und Investitionsentscheidungen.
Unternehmen: Steigende Brennstoff- und Importkosten bedeuten langfristig höhere Stromkosten. Wer jetzt auf flexible Beschaffungsstrategien und Effizienzmaßnahmen verzichtet, erhöht sein Exposure gegenüber volatilen Märkten.
Stadtwerke & Versorger: Ein zurückhaltender Netzausbau und Abhängigkeit von Importkapazitäten machen regionale Planung schwieriger und gefährden Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Stabilität.
Investitionsplanung: Politische Entscheidungen heute wirken jahrzehntelang nach — die größten Folgekosten könnten laut Gutachten eine künftige Bundesregierung treffen, nicht zwingend die aktuelle.
Was jetzt sinnvoll ist — ein pragmatischer Dreiklang
Die Analyse des EWI legt nahe, dass eine nachhaltige, kosteneffiziente Energiepolitik drei Elemente zusammenbringen muss:
- Erneuerbaren-Ausbau konsequent fortführen: Nur mit ausreichender Erzeugung aus Wind und Solar sinken langfristig die variablen Kosten und die Importabhängigkeit.
- Netzausbau beschleunigen: Bessere Netzinfrastruktur reduziert Redispatch- und Integrationskosten — und macht lokale Erzeugung wirtschaftlicher nutzbar.
- Beschaffungs- und Flexibilitätsstrategien anpassen: Unternehmen sollten sowohl bei der Energieeinkaufspolitik als auch bei Flexibilitätsoptionen (Speicher, Lastmanagement) auf resiliente Strategien setzen.
Konkreter Nutzen für Ihr Unternehmen
Für Gewerbe- und Filialunternehmen, Hausverwaltungen oder produzierende Betriebe bedeutet das: kurzfristige Preisvorteile durch fossil basierte Strategien können mittelfristig in höhere Gesamtkosten umschlagen. Praktisch relevante Handlungsfelder sind:
Transparente Ausschreibungen und individuelle Beschaffungsmodelle
Kontinuierliche Prüfung von Lastprofilen, Speicheroptionen und Fördermöglichkeiten
Investitionen in Energieeffizienz und dezentrale Erzeugung, die langfristig die Abhängigkeit von Importen reduzieren
Fazit und nächster Schritt
Das EWI-Gutachten macht eines klar: Eine Politik, die einzelne Stellschrauben isoliert dreht — etwa durch starken Zubau von Gaskraftwerken bei gleichzeitig stockendem Netzausbau und reduziertem Erneuerbaren-Ausbau — riskiert höhere Gesamtkosten und größere Abhängigkeiten. Für Unternehmen heißt das: Jetzt planen, so dass Beschaffung, Netzinfrastruktur und Effizienzmaßnahmen zusammenwirken.
Wenn Sie als Mittelstand, Hausverwaltung oder Betreiber mehr Transparenz in Ihren Energieentscheidungen wollen — von einer robusten Beschaffungsstrategie bis zu Effizienzmaßnahmen und Fördermittelberatung — lohnt sich eine ganzheitliche Prüfung der Optionen. Sprechen Sie mit uns: Wir unterstützen bei Ausschreibungen, analysieren Versorgungsrisiken und entwickeln Maßnahmen, die kurzfristige Chancen und langfristige Resilienz in Einklang bringen.
Quelle: https://www.telepolis.de/article/Billiger-Strom-durch-Gas-Dieses-Gutachten-widerspricht-11417386.html (Telepolis / Heise Medien)
#Energiewende #Gaskraftwerke #Wasserstoffimporte #Netzausbau #ErneuerbareEnergien #Importabhängigkeit #Systemkosten #Strompreise #Redispatch #Energiepolitik #EWI #LEE_NRW