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Roman Siegenbruk

Geschäftsführer, Lewero GmbH

Inhaltsübersicht

    Warum steigen die Strompreise am Abend trotz hoher Solarstromproduktion?

    In den letzten Jahren hat sich der deutsche Strommarkt stark verändert

    Immer mehr erneuerbare Energien, vor allem Solarenergie, prägen das Angebot. Tagsüber führt starke Sonneneinstrahlung zu einer hohen Solarstromproduktion, die den Börsenstrompreis meist deutlich senkt – manchmal sogar in den Negativbereich. Doch erstaunlicherweise zeigen sich immer wieder massive Preisspitzen in den Abendstunden, obwohl die Solarproduktion besonders hoch war. Dieses Phänomen sorgt für Verwirrung und wirft die Frage auf: Warum steigt der Strompreis ausgerechnet dann sprunghaft an, wenn eigentlich reichlich Grünstrom verfügbar sein sollte?

    Solarstrom-Produktion am Tag

    Die „Entenkurve“ – ein bekanntes Muster mit Auswirkungen auf die Strompreise

    Dieses Strompreis-Phänomen ist unter Experten als „Duck Curve“ bekannt – übersetzt als „Entenkurve“. Dabei sinken die Preise tagsüber durch die hohe Solarstromerzeugung, weil das Angebot die Nachfrage übersteigt. Sobald jedoch die Sonne am Abend untergeht und die Solarproduktion stark zurückgeht, bleibt der Strombedarf auf einem hohen Niveau – etwa durch Klimageräte oder Beleuchtung in Haushalten und Unternehmen.

    Netzbetreiber müssen deshalb kurzfristig fossile Kraftwerke zuschalten, um die Nachfrage zu decken. Diese Kraftwerke, meist Gaskraftwerke, fahren aber nicht einfach hoch und runter ohne Kosten: Ihre Fixkosten für das Hochfahren müssen in wenigen Stunden über den Strompreis refinanziert werden. Das führt zu massiven Preisspitzen zwischen 19 und 23 Uhr, während die Solarenergie bereits schwächelt, die Nachfrage aber weiter hoch bleibt.

    Ein konkretes Beispiel: Am 1. Juli 2025 lag der Börsenpreis für Strom um 13 Uhr noch bei etwa 43 Euro je MWh, stieg aber um 20 Uhr auf knapp 476 Euro/MWh an – eine Verzehnfachung des Preises. Kunden mit Zeitstromtarifen spürten das als einen Strompreis von über 70 Cent je kWh in dieser Zeitspanne.

    • Nachlassende Solarproduktion am Abend: Sobald die Sonne untergeht, sinkt das Angebot aus Photovoltaik-Anlagen rapide.
    • Hohe Netzlast durch privaten Verbrauch: Klimaanlagen, Beleuchtung und andere elektrische Geräte sorgen abends für hohe Stromnachfrage.
    • Einsatz fossiler Reserven: Gaskraftwerke und andere flexible aber teure Erzeuger müssen kurzfristig einspringen, da Wind- und Solarenergie nicht ausreichend zur Verfügung stehen.

    Hohe Kostenerstattung beim Hochfahren: Die wenigen Stunden mit hoher Nachfrage müssen investitions- und betriebskostenintensive Reservekraftwerke refinanzieren.

    Fehlende Flexibilität durch Speichermangel: Deutschlands Stromnetz verfügt nicht über ausreichend Großspeicher, die tagsüber günstigen Solarstrom speichern und abends abgeben könnten.

    Das Zusammenspiel dieser Faktoren führt zur „Entenkurve“ mit einem starken Rückgang der Produktion tagsüber, einem Zacken am Abend und anschließendem allmählichen Rückgang der Preise in der Nacht, wenn beispielsweise die Windproduktion zunimmt.

    Entenkurve und Preisspitzen am Strommarkt

    Was kann die Energiewende gegen diese Preisspitzen tun?

    Der Schlüssel, um diese teuren Preisspitzen zu glätten, liegt vor allem in der Flexibilisierung des Stromsystems und dem Ausbau von Speichertechnologien. Mehr Netzspeicher könnten tagsüber überschüssigen Solarstrom aufnehmen und ihn in den abendlichen Spitzenzeiten wieder in das Netz einspeisen. Damit würden fossile Kraftwerke weniger stark und seltener hochgefahren und könnten so deren Fixkosten besser verteilen.

    Ergänzend dazu helfen folgende Maßnahmen:

    • Lastmanagement und flexible Verbrauchssteuerung: Verbraucher, die ihren Stromverbrauch flexibel an das Angebot anpassen (z. B. Wärmepumpen oder Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge), können Spitzenlasten abmildern.
    • Intelligente Steuerung von PV-Speichern: Privat genutzte Solarstromspeicher sollten gezielt zur Netzstabilisierung in teuren Phasen Einspeisen, wozu bisher oft keine ausreichenden Anreize bestehen.
    • Erweiterung der Windenergieproduktion: Windstromproduktion steigt häufig in den Nachtstunden – ein besser ausgeglichenes Angebot vermindert Preisvolatilität.

    Integration sektorübergreifender Konzepte: Power-to-Heat, Power-to-Gas und andere Technologien können überschüssigen Strom in Wärme oder Kraftstoffe umwandeln und so zur Lastverschiebung beitragen.

    Bis diese Maßnahmen flächendeckend realisiert sind, sollten Unternehmen und große Verbraucher sich mit flexiblen Stromtarifen und intelligentem Lastmanagement beschäftigen, um die Auswirkungen der Preisspitzen zu minimieren.

    Welche Rolle spielt die Energieberatung und Einkauf in der aktuellen Situation?

    Für Unternehmen ist es heutzutage umso wichtiger, die volatile Preisentwicklung am Strommarkt zu verstehen und gezielt darauf zu reagieren. Hier kann ein kompetenter Partner wie Lewero helfen:

    • Transparente Marktanalyse: Durch ein transparentes Ausschreibungsmanagement behält man jederzeit den Überblick über aktuelle Preisentwicklungen und kann Risiken besser einschätzen.
    • Individuelle Beschaffungsstrategien: Ob Einkauf am Spotmarkt, Festpreisvereinbarungen oder Trancheneinkauf – die Wahl der passenden Strategie mindert finanzielle Risiken.
    • Flexibles Lastmanagement: Beratung zur optimalen Verknüpfung von Verbrauchszeiten mit günstigen Strompreisphasen senkt Kosten spürbar.
    • Optimierung durch Energiespeicher: Installation und intelligente Nutzung von Batteriespeichern in Betrieben können helfen, Lastspitzen zu glätten und günstigen Solarstrom effizienter zu verwenden.
    • Nachhaltige Energieversorgung: Der Einbezug nachhaltiger und zuverlässiger Energieversorger sichert langfristig bezahlbare Preise bei hoher Versorgungssicherheit.

    Mit dieser ganzheitlichen Herangehensweise profitieren Kunden von Kosteneinsparungen und haben gleichzeitig einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz.

    Fazit: Flexibilität und Speicher als Schlüssel zur Preiskontrolle
    Die überraschenden Strompreisspitzen am Abend trotz hoher Solarstromproduktion entpuppen sich als logische Folge eines Stromsystems, das sich derzeit noch im Übergang befindet. Die „Entenkurve“ macht deutlich, wie wichtig ein flexibler und intelligenter Umgang mit Erzeugung und Verbrauch ist.

    Durch den konsequenten Ausbau von Speicherlösungen, eine intelligente Verbrauchssteuerung und eine kluge Beschaffungsstrategie können Unternehmen die Herausforderungen der volatilen Strompreise heute schon managen und gleichzeitig die Energiewende unterstützen. Die Lewero GmbH steht Ihnen als erfahrener Partner mit transparenten, nachhaltigen und individuellen Lösungen zur Seite – von der Analyse über die Beschaffung bis hin zur Nachbetreuung.

    Starten Sie jetzt mit einer fundierten Energieberatung, um Ihr Unternehmen auf die Herausforderungen der zukünftigen Strommärkte vorzubereiten und dabei Kosten zu senken.

    Quelle: https://www.chip.de/news/Trotz-maximaler-PV-Produktion-Strompreis-schlaegt-ploetzlich-extrem-aus_186091881.html (CHIP.de, Tobias Stahl)

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