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Roman Siegenbruk

Geschäftsführer, Lewero GmbH

Inhaltsübersicht

    Wie teuer ist Tanken wirklich – und für wen?

    Drei Perspektiven auf den Spritpreis

    Die aktuellen Schlagzeilen über Rekordpreise bei Benzin und Diesel vermitteln den Eindruck: Noch nie war Tanken so teuer. Ein Blick auf unterschiedliche Messgrößen relativiert das Bild und zeigt, warum Politik, Unternehmen und Flottenbetreiber jetzt klug reagieren sollten.

    Nominalpreis: Rein nach Euro-Cent betrachtet erreichen Benzin- und Dieselpreise historische Höchststände. Im Artikel wird etwa genannt, dass Mitte Juni der Liter Diesel bei rund 1,73 € lag und zeitweise im September Preise über 2,50 € erreicht wurden.

    Reale Preise (inflationsbereinigt): Wirtschaftsinstitute liefern unterschiedliche Einschätzungen. Die IFO-Zeitreihe (ab 2000) zeigt bei Diesel einen aktuellen Höchststand; reale Benzinpreise lägen etwa auf dem Niveau von 2022. Das RWI kommt hingegen zu dem Ergebnis, dass reale Preise heute noch unter früheren Spitzen liegen – Unterschiede entstehen durch abweichende Rechenmethoden (z. B. Saisoneffekte).

    Kaufkraft-/Arbeitszeit-Analyse: Sehr aussagekräftig ist die Frage: Wie lange muss ein Beschäftigter arbeiten, um einen Liter Benzin zu bezahlen? Laut dem zitierten Datensatz mussten Beschäftigte 1960 mehr als 14 Minuten für einen Liter arbeiten. 2020 war der Wert mit 3,7 Minuten am niedrigsten. Aktuell liegt der Wert – ausgehend von einem Preis von 2,30 €/l – bei etwa 5,4 Minuten.

    Diese drei Blickwinkel zeigen: Nominalpreise sind hoch, doch die reale Belastung für Beschäftigte ist heute vielfach geringer als in früheren Jahrzehnten. Das erklärt, warum Diskussionen über „Rekordpreise“ je nach Perspektive unterschiedlich verlaufen.

    Warum die Preise steigen (laut Artikel)

    Der Artikel nennt vor allem geopolitische Störfaktoren als Treiber: Verschiffungsrisiken durch den Krieg im Iran und Angriffe der Huthis in der Meerenge Bab al‑Mandab. Solche Ereignisse verteuern Logistik und können kurzfristig zu starken Ausschlägen an den Tankstellen führen.

    Politik zwischen Soforthilfen und klarem Preissignal

    Der politische Druck ist hoch: Tankrabatte, Preisdeckel oder Senkungen der Energiesteuer sind typische Reaktionen, um Haushalte kurzfristig zu entlasten. Gleichzeitig weist der Artikel auf einen Zielkonflikt hin: Wenn Tanken dauerhaft billiger gemacht wird, wird ein wichtiges CO₂‑Preissignal ausgehebelt. RWI‑Ökonom Manuel Frondel warnt deshalb, ein Tankrabatt sei „sowohl ökologisch als auch ökonomisch bedenklich“ – weil dadurch die Absicht des CO₂‑Preises, fossile Kraftstoffe unattraktiver zu machen, unterlaufen würde.

    Außerdem ist die soziale Wirkung solcher Subventionen fragwürdig: Subventionen profitieren oft überproportional Besserverdienender, weil größere Autos und höherer Verbrauch höhere Einsparungen bringen.

    Was heißt das für Unternehmen und Fuhrparks?

    Darstellung steigender Kraftstoffpreise und ihrer wirtschaftlichen Auswirkungen

    Kurzfristige und mittelfristige Maßnahmen für Unternehmen

    Kurzfristig: Ein plötzlicher Preisanstieg trifft Budgets – von Fuhrparks über Lieferketten bis zu Transportkosten in der Produktion. Unternehmen sollten kurzfristig Kosten durch Routenoptimierung, Fahrverhaltensschulungen und Lade-/Tankstrategien abfedern.

    • Routenoptimierung zur Reduzierung unnötiger Kilometer
    • Schulungen für sparsames Fahrverhalten der Mitarbeitenden
    • Optimierte Lade- und Tankstrategien für wirtschaftlichere Einsätze

    Mittelfristig: Das strukturelle Umsteuern lohnt: Der Artikel weist darauf hin, dass Strompreise real seit den 1950ern stark zurückgegangen sind und erneuerbare Energie sowie fallende Batteriepreise die Aussicht bieten, dass Elektrifizierung langfristig günstiger werden kann. Für Unternehmen heißt das: Elektrifizierung der Firmenflotte, Investitionen in Ladeinfrastruktur und gezielte Beschaffungsstrategien prüfen.

    Unternehmensflotte und Ladeinfrastruktur als Reaktion auf volatile Energiepreise

    Beschaffungsstrategien und konkrete Handlungsempfehlungen

    Beschaffungsstrategien: Gerade in volatilen Märkten sind differenzierte Einkaufsmodelle sinnvoll (z. B. Teilfixierung auf Terminmarkt, Teil-Einsatz von Spotmarkt). Solche Modelle helfen, Risiken zu streuen und Kosten planbarer zu machen.

    • Teilfixierung von Energiemengen am Terminmarkt
    • Gezielter Einsatz des Spotmarkts zur Nutzung kurzfristiger Preisvorteile
    • Kombinierte Modelle zur breiten Risikostreuung

    Klare Handlungsempfehlungen – pragmatisch und transparent

    Unser Blick als Energieservice‑Partner und Fazit

    Für Unternehmen gilt jetzt: kurzfristig wirksame Maßnahmen mit mittelfristiger Transformation verbinden. Konkrete Ansatzpunkte sind:

    • Kosten- und Verbrauchsanalyse: Datengetriebene Auswertung von Verbrauch, Fahrprofilen und Kosten je Einsatzgebiet.
    • Flottenstrategie: Prüfen, welche Fahrzeuge sich schnell elektrifizieren lassen und wo weiterhin Verbrenner nötig sind – inklusive Total Cost of Ownership‑Vergleich.
    • Mobilitätsanreize für Mitarbeitende: Statt genereller Subventionen kann zielgerichtete Unterstützung (z. B. Mobilitätsgeld) Menschen die Wahl lassen: ÖPNV, Sharing oder E‑Mobilität.

    Beschaffung absichern: Professionelle Ausschreibungen, abgestimmte Beschaffungsmodelle und laufendes Monitoring reduzieren Preisschocks und schaffen Transparenz.

    Unser Blick als Energieservice‑Partner

    Lewero begleitet Unternehmen genau an diesen Stellen: transparente Ausschreibungen, passende Beschaffungsstrategien (Terminmarkt / Spotmarkt / Tranche), Energiecontrolling und Maßnahmen zur Verbrauchsoptimierung. Gerade in Zeiten schwankender Öl‑ und Spritpreise zahlt sich ein strukturierter, datengestützter Ansatz aus: Er macht Kosten planbarer, zeigt Einsparpotenziale und erleichtert die Entscheidung für Investitionen in Elektromobilität und Effizienzmaßnahmen.

    Fazit: Die Debatte um hohe Spritpreise ist wichtig – aber sie wird oft zu eindimensional geführt. Nominalpreise sind hoch, doch in Kaufkraft‑Betrachtung ist die Belastung nicht so extrem wie in den 1960er‑Jahren. Trotzdem treffen schnelle Preissprünge Haushalte und Unternehmen spürbar. Die kluge Antwort kombiniert kurzfristige Entlastung mit langfristigen Signalen für Klimaschutz und Effizienz: Transparente Beschaffungsprozesse, Elektrifizierungsstrategien und gezielte Mobilitätsangebote.

    Wenn Sie prüfen möchten, wie Ihr Unternehmen auf volatile Energiepreise reagieren kann – von Beschaffungsstrategie bis Flottenumstellung – beraten wir Sie gerne transparent und kostenfrei.

    Quelle: https://www.fr.de/wirtschaft/mussten-beschaeftigte-14-minuten-fuer-einen-liter-arbeiten-spritpreis-1960-94504690.html (Frankfurter Rundschau)
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