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Roman Siegenbruk

Geschäftsführer, Lewero GmbH

Inhaltsübersicht

    Rost für die Dunkelflaute: Hier entsteht Europas größte Eisen-Luft-Batterie

    Was in den Niederlanden entsteht

    In den Niederlanden hat ein Stromanbieter den bislang größten Auftrag für die noch junge Eisen‑Luft‑Technik in Europa vergeben: Budget Thuis bestellte bei Ore Energy insgesamt 1 GWh Kapazität, die erste Ausbaustufe mit rund 400 MWh soll 2028 ans Netz gehen. Für Unternehmen und Energieverantwortliche ist das mehr als eine Nachricht aus dem Nachbarland – es ist ein konkreter Testlauf, wie sich mehrtägige Speicherlücken wirtschaftlich schließen lassen können.

    Was genau bestellt wurde – kurz und prägnant
    Ore Energy plant, die Kapazität modular in standardisierten 40‑Fuß‑Containern zu bauen. Die erste Stufe (400 MWh) entspricht nach Unternehmensangaben in etwa dem Tagesverbrauch von 40.000 Haushalten oder der Reichweite von rund 5.500 E‑Autos. Die Container lassen sich je nach Bedarf für Speicherdauern zwischen etwa 24 und 100 Stunden konfigurieren.

    Wie die Eisen‑Luft‑Batterie funktioniert
    Das Prinzip ist einfach: kontrolliertes Rosten. Bei der Entladung reagiert Metall‑Eisen mit Sauerstoff aus der Luft zu Rost und liefert Strom – die Zelle „atmet ein“. Beim Laden wandelt zugeführte Energie den Rost wieder in metallisches Eisen zurück und die Zelle „atmet aus“. Benötigt werden nur Eisen, Wasser und Luft; weder Lithium noch Kobalt sind erforderlich. Ein weiterer Vorteil: Die Zellen sind nicht brennbar, da sie wässrige Elektrolyte nutzen.
    Der Kompromiss ist die Zeit: Ein kompletter Zyklus kann bis zu 100 Stunden dauern. Genau deshalb ist die Technik nicht für stündliche Ausgleichsaufgaben gedacht, sondern für die Überbrückung mehrtägiger Engpässe – die sogenannten Dunkelflauten.

    Stärken und Grenzen im Vergleich
    Stärken: Geringe Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen, Eignung für mehrtägige Speicherung, nicht brennbar.
    Schwächen: Niedrigeres Tempo als Lithium‑Ionen (Zyklen dauern deutlich länger) und derzeit geringere Markt‑ und Kostenausprägung – die Wirtschaftlichkeit hängt noch von Skaleneffekten und Förderanreizen ab.

    Schematische Darstellung von Eisen-Luft-Batterie-Containern zur Langzeitspeicherung

    Einordnung im Speicher-Mix

    Einordung neben Lithium und Wasserstoff
    Die Eisen‑Luft‑Batterie positioniert sich im Mittelfeld der Speicherlandschaft: Lithium‑Ionen sind für Stunden‑Ausgleich und Schnellreaktionen ideal, Eisen‑Luft für Tage, Wasserstoff für Wochen bis saisonale Speicherung. Beim Wirkungsgrad liegt Eisen‑Luft laut verfügbaren Vergleichen zwischen Lithium und Wasserstoff: besser als die komplette Wasserstoff‑Kette, aber in vielen Fällen unter dem Spitzenwirkungsgrad von Lithium‑Ionen.

    • Lithium‑Ionen für kurzfristige, schnelle Ausgleichsaufgaben im Stundenbereich
    • Eisen‑Luft als Ergänzung für mehrtägige Speicherbedarfe und Dunkelflauten
    • Wasserstoff für wochen- bis saisonale Speicherung und sektorübergreifende Nutzung

    Warum das relevant für Deutschland ist
    Mehrere Punkte machen den niederländischen Auftrag interessant für deutsche Entscheider:
    Mehrtägige Dunkelflauten treten in Deutschland regelmäßig auf und können sich über mehrere Tage erstrecken – Speicherlösungen für diese Zeiträume sind gefragt.
    Im laufenden politischen Prozess (Strom‑Versorgungssicherheits‑ und Kapazitätengesetz, StromVKG) werden Technologien zur Absicherung diskutiert; Ausschreibungen sollen ab 2027 technologieoffen sein.
    Eisen‑Luft könnte eine kostengünstigere Option für die mittelfristige Lücke zwischen Stunden‑Speichern und saisonalem Wasserstoff werden – vorausgesetzt, Kosten und Skalierbarkeit entwickeln sich.

    Visualisierung von Energie- und Langzeitspeicherlösungen im Stromsystem

    Ökonomische Perspektiven

    Ökonomische Perspektive: Wann rechnet sich die Rostbatterie?
    Ore Energy und Budget Thuis betonen den kommerziellen Schritt vom Piloten zum echten Projekt. Gleichwohl räumen Marktteilnehmer ein, dass die Technologie aktuell noch Anreize braucht – etwa Kapazitätsprämien oder ähnliche Mechanismen –, um gegenüber etablierten Alternativen wettbewerbsfähig zu werden. In Deutschland könnte ein technologieoffener Rahmen, wie er im StromVKG angedacht ist, solchen Lösungen Türen öffnen.

    • Kapazitätsprämien und marktbasierte Vergütungsmechanismen
    • Technologieoffene Ausschreibungen im Rahmen des StromVKG
    • Skaleneffekte durch größere Projekte und Serienfertigung

    Was Unternehmen jetzt konkret tun können
    Für Entscheider in Stadtwerken, Netz‑ und Versorgungsunternehmen oder großen Energieabnehmern empfiehlt sich ein pragmatischer Blick:
    Beobachten: Projekte wie das Ore‑Energy‑Vorhaben in den Niederlanden genau verfolgen – technische Kennzahlen, Kostenentwicklung und Netzintegration sind die Schlüsselgrößen.
    Bewerten: Prüfen, ob Langzeitspeicher in die eigene Systemplanung passen: Für die Absicherung von Lastspitzen über Tage können Eisen‑Luft‑Systeme künftig eine sinnvolle Rolle spielen.
    Planen: Bei strategischen Konzernen und Stadtwerken lohnt es sich, Speicher‑Szenarien (Kurz-, Mittel‑, Langfrist‑Speicher) in Beschaffungs‑ und Netzmodellen durchzuspielen – idealerweise im Rahmen technologieoffener Ausschreibungen.

    Fazit und Ausblick

    Fazit
    Der Auftrag von Budget Thuis an Ore Energy ist ein bedeutender Signalwert: Er zeigt, dass Eisen‑Luft‑Batterien aus dem Labor in Richtung kommerzieller Nutzung wandern. Die Technologie bietet eine klare Nische – mehrtägige Dunkelflauten – und ergänzt Lithium‑Ionen sowie Wasserstoff eher, als sie zu verdrängen. Ob sich die Rostbatterie flächig durchsetzt, hängt nun von Kosten, Skalierung und politischem Rahmen ab.

    • Eisen‑Luft‑Batterien adressieren gezielt mehrtägige Speicherlücken
    • Der niederländische Auftrag ist ein wichtiger Praxistest für Wirtschaftlichkeit und Integration
    • Politische Rahmenbedingungen wie das StromVKG werden über die Verbreitung mitentscheiden

    Wenn Sie Ihre Energie‑ und Netzstrategie zukunftssicher planen möchten – etwa durch die Integration passender Speichertechnologien oder technologieoffener Beschaffungsmodelle – unterstützen wir Sie gern bei der Analyse und Auswahl möglicher Optionen.
    Quelle: https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/energie/rost-fur-die-dunkelflaute-hier-entsteht-europas-grosste-eisen-luft-batterie/ (ingenieur.de / VDI Verlag GmbH)
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