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Innovation aus der Schweiz: CO₂ wird zu Stein und grüner Wasserstoff entsteht
CO₂-Mineralisierung trifft Wasserstoffproduktion: Ein doppelter Gewinn
Kohlendioxid – der Hauptverursacher des menschengemachten Klimawandels – ist vor allem in der Industrie ein großes Problem. Zement- und Chemiewerke, Metallverarbeiter oder andere emissionsintensive Branchen stoßen täglich enorme Mengen CO₂ aus. Einfach abschalten oder auf Null reduzieren geht hier selten. Doch die Schweizer Forschung bringt jetzt einen vielversprechenden Ansatz auf den Weg: Ein containergroßes System verwandelt das CO₂ direkt am Entstehungsort in stabile Mineralien – quasi in Stein – und erzeugt gleichzeitig klimafreundlichen, grünen Wasserstoff.

Wie entsteht grüner Wasserstoff in diesem System?
Die natürliche CO₂-Bindung in Gestein ist ein langsamer Prozess, der Jahrtausende braucht. Wissenschaftler der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) haben eine technisch machbare Lösung entwickelt, die diesen Vorgang enorm beschleunigt und gleichzeitig eine zweite wichtige Ressource produziert. In einer kompakten Anlage, die in einem Container untergebracht ist, wird das Abgas zunächst elektrochemisch behandelt: Das CO₂ reagiert mit Metallen und wird als festes Karbonat gebunden.
- Parallel dazu wird Wasser per Elektrolyse in Sauerstoff und grünen Wasserstoff aufgespalten – und das alles mit demselben Stromfluss und bei Temperaturen nahe Raumtemperatur.
- Diese Kombination ist besonders nachhaltig und effizient, weil keine zusätzlichen Temperatur- oder Druckprozesse nötig sind.
- Wasserstoff gilt nur dann als wirklich „grün“, wenn er mit erneuerbarem Strom produziert wird. Im Schweizer System basiert die Produktion auf genau dieser Voraussetzung: Strom aus nachhaltigen Quellen wird genutzt, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu zerlegen.
Der Clou ist, dass dies parallel zur CO₂-Mineralisierung geschieht. Wichtig ist, dass der Wasserstoff nicht aus dem Kohlenstoffdioxid selbst stammt, sondern aus Wasser gewonnen wird. Dennoch wird er deutlich nachhaltiger, weil der gesamte Prozess den Einsatz fossiler Energieträger vermeidet und Emissionen direkt am Entstehungsort bindet und anstatt sie zu speichern, verwertbar macht.

Der Containereinsatz: Einfach, dezentral, modular
Anders als viele komplexe CO₂-Abscheidungstechnologien benötigt das Schweizer System kein riesiges Industriegelände oder aufwendige Infrastruktur. Alle Module – von der Elektrolyse bis zur Mineralisierung – sind in einem Standardcontainer verbaut. Das ermöglicht:
- Flexiblen Einsatz direkt vor Ort bei Industrieanlagen
- Wegfall aufwendiger CO₂-Transporte und Lagerung
- Reduzierte Investitions- und Betriebskosten durch einfache Modularität
Die Module können jeweils bis zu zwei Tonnen CO₂ pro Tag verarbeiten. Nach der Umwandlung liegen die gebundenen CO₂-Mengen als stabile, lagerfähige Mineralien vor, die in weiteren Industriezweigen verwendet werden können.
Nebenprodukte mit Marktwert: Nachhaltigkeit trifft Wirtschaftlichkeit
Die CO₂-Bepreisung in Ländern wie der Schweiz ist mittlerweile deutlich spürbar – rund 120 Franken pro Tonne CO₂ müssen Unternehmen zahlen. Im Vergleich: Deutschland und Österreich liegen derzeit eher zwischen 55 und 75 Euro. Für viele Unternehmen ist das ein harter Anreiz, Emissionen aktiv zu reduzieren.
- Feste Karbonate: Diese mineralischen Produkte eignen sich als Komponenten für nachhaltige Baustoffe.
- Grüner Wasserstoff: Er kann als saubere Energiequelle dienen für Industrie, Mobilität oder Energiespeicherung.
- Diese doppelte Produktpalette hebt das Verfahren von anderen CO₂-Abscheidetechnologien ab, die oft nur Kosten verursachen ohne verwertbare Ergebnisse. Unternehmen sparen damit nicht nur bei CO₂-Abgaben, sondern teilen das System auch als wirtschaftlichen Vorteil ein.
Eine Option für Industrieunternehmen, nicht der Ersatz für Emissionsvermeidung
Wichtig ist zu betonen, dass diese Technologie keine Alternative zur Emissionsreduktion darstellt, sondern eine ergänzende Lösung. Insbesondere Branchen, die ihre CO₂-Emissionen nicht von heute auf morgen abschalten können, erhalten hier ein praktikables Instrument für den Klimaschutz.
Tests zur Langzeitstabilität und die Wirtschaftlichkeit in der Praxis sind noch offen. Dennoch zeichnet sich ab, dass sich die Investition lohnen kann – nicht nur über den Umweltfaktor, sondern auch durch Einsparungen bei CO₂-Kosten und durch den Verkauf von Nebenprodukten.
Chancen für den Mittelstand und die Industrie
Für mittelständische und industrielle Unternehmen, die oft vor großen Herausforderungen bei der Dekarbonisierung stehen, bietet diese innovative Technik einen vielversprechenden Baustein:
- Einfache Integration ohne große Umbauten oder Produktionsunterbrechungen
- Kostensenkung dank eingesparter CO₂-Abgaben
- Zusätzliche Einnahmequellen durch nachhaltige Nebenprodukte
- Modulare Bauweise macht Skalierung möglich
Dieser Ansatz ist damit eine moderne Antwort auf die komplexen Anforderungen des Klimaschutzes in der Industrie – und fügt sich gut in ganzheitliche Energieeffizienz- und Klimastrategien ein, die wir bei Lewero ebenfalls fördern.
Fazit: Innovation, die Potential für nachhaltige Industrieprozesse bietet
Die Schweizer Entwicklung zur direkten CO₂-Bindung als Stein verbunden mit grüner Wasserstofferzeugung bringt frischen Wind in die Dekarbonisierung industrieller Prozesse. Die Kombination aus Technik, Wirtschaftlichkeit und Modularität eröffnet alternative Perspektiven für die emissionsintensive Industrie und zeigt, wie sich Umwelt- und Klimaschutz mit pragmatischen Lösungen vereinen lassen.
Für Unternehmen im Mittelstand und Großindustrie gilt: Es lohnt sich, solche Innovationen genau zu beobachten und in die eigene Nachhaltigkeitsstrategie einzubeziehen. Denn oft sind es gerade Lösungen mit geringem Integrationsaufwand und Mehrwert durch nutzbare Nebenprodukte, die den Unterschied machen.
Als Partner für Energie- und Effizienzprojekte begleiten wir Sie gerne dabei, neue Wege zu erkennen und pragmatisch umzusetzen – von innovativen Technologien bis hin zu bewährten Einsparmaßnahmen.
Quelle: https://www.focus.de/earth/wer-hat-s-erfunden-schweizer-technik-bindet-co-als-stein_feb24d8d-2eb9-46ad-a8fa-0647ce5eaa83.html (FOCUS online)
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