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Roman Siegenbruk

Geschäftsführer, Lewero GmbH

Inhaltsübersicht

    Elektroauto Ad-hoc-Laden ohne Vertrag: Zwischen Bequemlichkeit und Herausforderungen

    Ad-hoc-Laden – Was bedeutet das eigentlich?

    Das Laden von Elektroautos an öffentlichen Ladepunkten ist ein entscheidender Faktor für die Akzeptanz und Alltagstauglichkeit der Elektromobilität. Ein besonders interessanter Trend ist hierbei das sogenannte Ad-hoc-Laden – also das unmittelbare und vertragsfreie Laden ohne vorherigen Dauervertrag oder Registrierung bei einem Anbieter. Doch wie gut funktioniert dieses Prinzip in der Praxis? Was sind die Vorteile, und welche Hürden gilt es noch zu überwinden? Genau das beleuchten wir im Folgenden.

    Die EU definiert „Ad-hoc-Laden“ („punktuelles Aufladen“) als einen Dienst, bei dem das Laden eines Elektrofahrzeugs ohne jegliche vertragliche Bindung oder Registrierung erfolgt. Das bedeutet, ein Nutzer kann seinen Wagen an einer Ladestation einfach freigeben und bezahlen, ohne vorher einen Vertrag abzuschließen oder eine App zur Authentifizierung zu installieren.

    Im Idealfall ist das so bequem wie das Bezahlen an einem normalen Zapfhahn für Benzin oder Diesel. Tatsächlich sieht die Realität in Deutschland aktuell noch etwas anders aus: Mancher Betreiber fordert trotz Ad-hoc-Prinzips die Installation einer App, in der Kreditkartendaten hinterlegt werden müssen – was viele Nutzer als unpraktisch und rechtlich nicht vollständig klar bewerten.

    Elektroauto lädt an einer öffentlichen Ladestation

    Für wen ist das Ad-hoc-Laden besonders wichtig?

    Für folgende Nutzergruppen ist Ad-hoc-Laden besonders relevant:

    • Vertragsfreie Nutzer: Menschen, die bewusst keine dauerhafte Kundenbindung eingehen möchten.
    • Gelegenheitslader: Fahrer, die selten die öffentliche Ladeinfrastruktur nutzen und deshalb keinen Vertrag abschließen wollen.
    • Durchreisende: Nutzer, die sich nur vorübergehend in Deutschland aufhalten und keine dauerhafte Vertragsbindung eingehen möchten.

    Gerade auf Langstrecken ist die Möglichkeit, unkompliziert und schnell laden zu können, ohne sich vorher mit Anbietern und Apps auseinandersetzen zu müssen, ein großer Vorteil.

    Moderne E-Ladestationen im Stadtgebiet

    Die Praxis zeigt: Freude und Frust dicht beieinander

    In der Praxis funktioniert Ad-hoc-Laden bereits, aber mit Einschränkungen. Viele Ladestationen erlauben inzwischen das Laden ohne Vertragsbindung, insbesondere durch die Vorgaben der EU-Regulierung AFIR, die neue Ladepunkte mit Direktzahlterminals vorschreibt. Das ist ein großer Schritt zur Vereinfachung.

    • Begrenzte Ladeleistung: Viele Ad-hoc-Stationen bieten aktuell nur Ladeleistungen um 25 bis 50 kW. Für moderne Elektroautos, die 150 kW oder mehr schnellladen können, ist das deutlich zu wenig, was zu längeren Ladezeiten führt.
    • Vorautorisierungsgebühren: Manche Anbieter blockieren hohe Beträge (bis zu 150 Euro) als Vorautorisierung auf der Kreditkarte, um potenzielle Risiken abzusichern. Das kann Nutzer irritieren und zur Ablehnung des Angebots führen.
    • Unzureichende Standortdichte: Besonders auf Fernstrecken entlang der Autobahnen fehlen noch ausreichend attraktive, vertragsfreie Schnellladestationen.

    Beispielhaft zeigt sich das an Ladestationen von Discountern wie Aldi Nord, die zwar registrierungsfrei für moderate Preise (ca. 44 Cent pro kWh) laden, aber oft mit Ladeleistungen von nur maximal 50 kW. Trotz attraktiver Lage am Einkaufsstandort ist das für die Langstrecke eher suboptimal.

    Preislich bleibt Ad-hoc-Laden oft eine teure Alternative & Ausblick

    Eine Analyse des ADAC verdeutlicht: Wer ohne Vertrag lädt, zahlt oft deutlich höhere Preise als Vertragskunden – teilweise bis zu 67 % mehr pro Kilowattstunde. Aktuelle Preise bewegen sich oft um 50 bis 79 Cent pro kWh. Beispielsweise hat EnBW seine Ad-hoc-Preise zuletzt auf 79 Cent pro kWh gesenkt, was weiterhin als relativ teuer gilt, während einige neue Wettbewerber und Einzelhandelsketten mit Preisen um 44 bis 49 Cent versuchen, attraktivere Angebote zu machen.

    • Dynamische Stromtarife könnten in Zukunft eine neue Dimension in das Ad-hoc-Laden bringen. Preise, die sich an den aktuellen Börsenstrompreisen orientieren und 24 Stunden im Voraus festgelegt werden, erlauben eine flexible und potenziell kosteneffiziente Nutzung.
    • Die Idee, Elektroautos auch nachts an Schnellladestationen außerhalb typischer Geschäftszeiten aufzuladen, ist damit kein Wunschdenken mehr. Allerdings ist das Modell derzeit noch nicht flächendeckend etabliert, und die Transparenz über Preise bleibt ein kritischer Faktor.
    • Für Unternehmen und Flottenbetreiber ist die Thematik relevant, weil die Vielfalt an Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge künftig stark wachsen wird.

    Das vertragsfreie Laden wird immer besser und ist für viele Nutzer eine sinnvolle Option – besonders für Gelegenheitsfahrer und Durchreisende ist dies ein wichtiges Zusatzangebot. Die durch AFIR verabschiedeten Standards sorgen dafür, dass direkte Zahlterminals an Schnellladestationen zur Pflicht werden und damit das Ad-hoc-Laden erleichtern.

    Dennoch bleibt viel Raum für Verbesserungen:

    • Ausbau der Ladeinfrastruktur entlang von Fernstrecken und Autobahnen mit zuverlässig hohen Leistungen.
    • Reduktion und bessere Kommunikation von Vorautorisierungsgebühren, um Nutzer nicht abzuschrecken.
    • Durchsetzung echter App-freier Lösungen, um den rechtlichen Geist des Ad-hoc-Ladens voll auszuschöpfen.
    • Förderung von dynamischen und transparenten Stromtarifen für mehr Kosteneffizienz und Nutzerkomfort.

    Die LEWERO GmbH unterstützt Geschäftskunden dabei, Energiemärkte und -kosten transparent zu durchblicken und Prozesse effizient zu gestalten. So kann auch der Ausbau und Betrieb von Ladeinfrastruktur in Unternehmen intelligent geplant und genutzt werden.
    Weiterführende Informationen:
    Ad-hoc-Ladepunkte ohne App von Gerd Bremer
    Wie weit Elektroautos auf der Langstrecke kommen
    Zukünftige Ladeinfrastruktur und Ladestationen
    Wir bei LEWERO bleiben gespannt auf die weitere Entwicklung des Markts und unterstützen Sie gerne bei der Klärung, wie Sie Ihre Flotte und Infrastruktur bereits heute und in Zukunft optimal aufstellen können.
    Quelle: https://www.heise.de/hintergrund/Elektroauto-Ad-hoc-Laden-in-der-Praxis-Frust-und-Freude-ohne-Vertrag-10511630.html (heise.de)
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